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Gästebuch

Aus der Gründerzeit unserer Bruderschaft

Eine Untersuchung der geschichtlichen Zusammenhänge

von Schützenbruder Peter Knippertz (†)

 

Beginnt man die Geschichte der Schützenbruderschaft aufzuzeichnen, so sucht man nach historischen Schriften und Urkunden, und stellt fest, daß aus der Gründerzeit der Bruderschaft nur wenige Unterlagen vorhanden sind.

So bieten sich für die St.-Sebastianus-Bruderschaft folgende Quellen an :

Redlich, Jülich-Berg Kirchenpolitik II, Amt Wassernberg : Ratheim
Dort lautet eine Eintragung im Kapitel Kirchvisitationen vom 19. Juni 1533:

„Geine spitall, gein capell, 1 broderschaft, mach etwas haven, dan nu haven si zu dem keiser­zoch ; meinen die rede war nit recht. Nu deilen si es den eigen husarmen".

Und eine weitere Eintragung vom 7. Juli 1550:

Ist eine broderschaft, hait 1 malder roggen renten, ist zu der kirchen notturft gewandt. Item ist jairlings 1/2 malder roggen vur die armen usgedeilt worden, willichs in 16 Jahren niet geschiet."

Ein echter Schützenbruder und Ratheimer kann nach dem Finden einer solchen Eintragung (das Wort „broderschaft" in zwei Notizen) in Begeisterung geraten und glauben, die Belege für die Gründung St. Sebastianus, zumindest aber für eine Schützenbruderschaft um 1533 gefunden zu haben.

Der Chronist darf sich hier jedoch nicht beirren lassen und muß weiteres historisches Schriftwesen aus den benachbarten Gemeinden studieren. Denn in jener Zeit gab es auch Vereinigungen, die sich als Bruderschaften bezeichneten, wie eine Rosenkranzbruderschaft, Betbruderschaften und ähnliche, aber nichts mit dem Schützenwesen zu tun hatten.

Möge uns folgender Beitrag dazu etwas sagen:
St. Lambertus zu Dremmen 1958, von Leo Gillessen:

„Die soziale Fürsorge für die Armen und Hilfsbedürftigen war im Mittelalter Aufgabe der Kirche. Den Staat als Träger des Sozialwesens gab es noch nicht. Wer in Not geriet, war im vollen Umfang von der Mildtätigkeit seiner Mitmenschen abhängig. So bildeten sich schon sehr früh durch Initiative der Kirche Körperschaften, die sich die Armenpflege zur Aufgabe setzten. Auch in Dremmen hat es in früheren Jahrhunderten solch kirchlich orientierte Organisationen gegeben.
Es waren die Bruderschaften vom Hl. Antonius und von St. Anna und Jakob. Sie fundierten die sogenannte Mensa pauperum, die Armentafel. Für diese errichteten die Mitglieder Stiftungen, die zum größten Teil in Ländereien bestanden. Diese Ländereien verpachtete man und verwandte den Erlös, bestehend aus Naturaleinkünften und Geld, zur Unterstützung der Armen in der Pfarre."

War es auch so in der Pfarre Ratheim von 1533 bis 1550, wo eine „broderschaft" erwähnt wird?

Wenn wir dagegen die Jubiläumsschriften der benachbarten Bruderschaften als wichtige grundlegende Quellen ansehen, so möchten wir aus der Festschrift „550 Jahre St.-Georgius­Bruderschaft 1427-1977 Wassenberg" von Willi von der Beeck, Realschuldirektor, folgendes zitieren:

„Die Gründung der Bruderschaften und die Genehmigung der Landesherren zur Ausrüstung mit Waffen unter eigener Führung, sowie die Veranstaltung von Vogel- und Preisschießen, stellt einen Sieg der Bürger über das untergehende Rittertum des 15. Jahrhunderts dar. So entstanden in vielen Pfarreien neue Schützenbruderschaften.
Um diese Zeit waren die Schützen bereits mit Feuerwaffen ausgestattet. Das beweist eine Denkschrift, in der sich das Heinsberger Stiftskapitel 1533 beklagt, daß der in seinem Besitz befindliche Rurkempener Pfarrhof 1532 niederbrannte, weil in seiner Nähe der Papagei (Schützenvogel) aufgestellt und geschossen worden sei. Bereits um diese Zeit war also der Vogelschuß überall bekannt und nichts Neues mehr."

Dennoch. Eine Schützenbruderschaft um das Jahr 1533 ist nicht nachweisbar. Wir müssen also weiter suchen.

Die nächste Geschichtsquelle, die wir zu untersuchen hätten, wäre der „Versatzzettel" oder die „Verschreibung". Eine Abschrift befindet sich im Heinsberger Heimatmuseum unter der Schenkung von August Dorst aus Düsseldorf-Kaiserswerth.
Dorsts Vorfahren waren im 18. Jahrhundert Schöffen in Ratheim des Amtes Wassenberg. Franz Heckmann aus Ratheim hat die Aufzeichnungen, die Pastor Drouven zuzuschreiben sind, in der Zeitschrift „Die Heimat" (Nr. 1/2- 1926) veröffentlicht.
In der Mitte des vorigen Jahrhunderts, zur Zeit des Pastors Drouven (1852 bis 1879), wurden Aufzeichnungen der Schützenbruderschaften getätigt. (Diese Aufzeichnungen sind leider nicht mehr vorhanden.) Die Anregung hierzu mag wohl von Pastor Drouven gekommen sein, dem wir Ratheimer die Chronik „Die Kirche und Gemeinde zu Ratheim" verdanken. Aus einer Unterhaltung, die ich mit Rektor i. R. Edmund Knorr aus Erkelenz führte, weiß ich, daß Pastor Drouven in den Wintermonaten jener Zeit über die Geschichte der landwirtschaftlichen Entwicklung in Ratheim Vorträge hielt. In den Zusammenkünften der Bruderschaften wurde so das Interesse für die Vergangenheit geweckt. Die Schützenbrüder brachten zu den Versammlungen der Bruderschaft Urkunden, Notizbücher und Aufzeichnungen aus ihrem Familienbesitz mit, die man verglich und besprach. In den Büchern der Bruderschaft wurden dann die Ergebnisse niedergelegt.

Der Vorsitzende zeigte der Versammlung an, daß ihm in bezug auf den ersten Vortrag verschiedene Schriftstücke überreicht worden sind und sich auch verschiedene Herren zum Vortrag gemeldet hätten. Darauf ersuchte er den Herrn Heinrich Königs, die von ihm aufgefundene Urkunde aus den Zeiten der Niederländischen Kriegserinnerungen vom Jahre 1578 zu verlesen. Darin heißt es :

„In alter Zeit mußten die Schützenbruderschaften in Ermangelung von Gendarmerien, die erst später eingerichtet wurden, den Ortsvorsteher zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit Beihilfe leisten. Auch mußten sie auf Requisition der Behörde außerhalb der Gemeinde Dienste leisten, wenn die an der Grenze wohnenden Insassen des Amtsbezirks durch Überschreiten der Grenze von seiten der Kriegsvölker oder von Raub- und Diebesgesindel bedroht waren. Die Schützen waren vereidigt und an anderen Stellen besoldet; hier hatten sie unter anderen Gefällen eine Kornrente.
Als sich im Niederländischen Kriege, worin die Holländer das spanische Joch abschüttelten, das Bedürfnis herausstellte, die an der Grenze liegenden Ortschaften zu beschützen, versetzten die nachbenannten, wahrscheinlich an der Spitze der St.-Sebastianus-Bruderschaft hierselbst stehenden Herren eine Kornrente, um den zu diesem Zwecke auserlesenen Schützen ein Besoldung zu geben. Das Nähere besagt folgendes Aktenstück:
„Wir Henrich von Ollmissen genannt Mülstroe zur Hallen, Lambert Moll, Ingnart Bongartz, John Martinus und Giermann, Ohoff Geschworene, Henrich im Hoff, Dederich zu Garsbeick, This Crüder im Vogelsank, Wilhelm zu Koppendall, Theil zu Mehlich, fort wir gemeine Nachpar des Kirspells [Pfarrgemeinde] Rodem und Mehlich, thun kundt zeugen und bekennen hiermit öffentlich, daß wir im behoue und wegen unseres Kirspells dieser jetziger nederlandischen wiedderwertigen Kriegsempörungen halber damit die verordneten und ausgesatzten Schützen, so zu verschiedenen Zeiten binnen der Stadt Wassenberg und der orth im Quartier, zu Mehlich, und Herkenbaush in Besatzung und Dienst gelegen, besoldet werden, von dem ehrenhaften und frommen Johannen Cruder zu Aldenphor durch Überlieferung dessen Broder theissen im Vogelsank vier und dreißig Daler, jedern ad zwei und vünffzig albes laufender müntz gerechnet, empfangen und folgentz im nutzen wie vorsg. [wie früher gesagt] angewandt; —
derhalben gereden und globen wir obengemelte Geschworene und Nachbar an Eidesstatt bei unserer wahren trouwe [Treue], daß vermelter Jan, seine Hausfrouve, Erben oder Helder dieses mit ihrem weißen und gauden willen das ein Malder Roggens, zu der Bruderschaft zu Rothem gehörig, welches gedachte Eheleute jährlichen ausgelden [jährlich liefern], zehn Jahre lank, negst lank, negst nacheinander folgent von dato dieses an zu rechnen, dergestalt befriedt [befreit] sein, daß im falle wir, unsere Erben und nachkommen nach endigung der gesetzten zehn jahren die vursch, hauptsumme nit erlegen würden, alsdann soll ehegemelder Jan, seine Hausfrouve und Kinder oder Helder wie vursch von zehen jahren zu zehn jahren des gesetzten malder Roggens, alles ohne einige abrechnung der Hauptsumme befreit und enthoben sein und bleiben, bis und solange gedachtem Johannen seiner Hausfrouve oder Heldern die vier und dreißig Daler in gauter harter silbernen oder gulden Müntzen wie in Zeiten binnen Wassenberg gankbar, in einer unzertheilder Hauptsumme behandelt und überzaldt sein. Die Wederlast [Ablage des Kapitals] sollen wir, unsere Kinder und nachkommen obgemelten Johannen, seinen Erben oder Helderen ein halb jahr zu voren verständigen, sich darnach zu richten weißen, alles ohne gefahr und argleleist,
Zur Urkundt der Wahrheit haben wir obgemelte Geschworene und Nachpar, so schreiben können, dieses im Namen der semblichen Nachpar mit eigene Henden unterschrieben. Geschehen im jahr nach der heilsamen gebort und menschwerdung unseres Herren Jesu Christi 1578 auf St. Andreiß tag.
gez. Henrich Mülstroe zur Hallen
Girmin zu Krickelberg
Matys Cruder

Ein bekannter Heimatforscher, dem wir diese Abschrift vorlegten, war der Meinung, daß diese erwähnten Schützen nicht identisch seien mit denen der kirchlichen St.-Sebastianus-Bruderschaft, sondern daß es sich hierbei um vom Landesherren eingezogene Schützen handele.

Hier möchte ich jedoch auf den Aufsatz von Friedel Krings, „Die Kückhovener oder Kastener Landwehr" im Heimatkalender des Kreises Heinsberg 1977 (Seite 68), aufmerksam machen. Dort wird über Herzog Wilhelm, der von 1539 bis 1592 regierte, folgendes gesagt:

„Auf dem Lande ließ er eine Landmiliz ins Leben rufen, zu der auch Schützenbruderschaften herangezogen wurden. Landwehren und Schanzen, die teilweise schon im Mittelalter entstanden waren, ließ er 1568 in Verteidigungszustand bringen : neue ließ er in Hand-Spanndienst von der ländlichen Bevölkerung anlegen und z. B. bei Wassenberg durch kleine Abteilungen von Reiter- und Fußtruppen bewachen."

Des weiteren möchten wir Franz Mayer aus Dalheim, der um 1930 vieles für unsere Heimat in Heimatkalendern veröffentlichte, nicht vergessen. Er berichtete über die Schützenbruderschaft Wassenberg wie folgt :

„Wir wissen nur, daß der militärische Schutzdienst, den die Bruderschaft in ihrem ersten Lebensabschnitt ohne Sold, zur Sicherung des heimatlichen Herdes leistete, von etwa 1520/30 an, durch ausgehobene Schützen und Lehensleute versehen wurde. Man hat von dieser Zeit an zu unterscheiden zwischen den Schützen der Bruderschaften und den Untertanen, die für den früheren Zweck vom Landesherrn als Schützen ausgehoben wurden. Ich führe von den zahlreichen Erlassen einige an :
1537 werden die Amtsleute angewiesen, eine Besichtigung vorzunehmen, wieviele Untertanen mit Gewehr versehen und wieviele Wehrfähige überhaupt vorhanden seien.
1540 Verordnung, in jedem Kirchspiel eine Ordnung von wehrhaften, geschickten Hausleuten zu machen.
1543 Aufforderung, alle wehrhaften Einsassen ohne Unterschied, sollen sich in guter Rüstung halten.
1552 Anordnung, in den Dörfern jeden zehnten, in den Städten aber jeden fünften Mann zur Landesverteidigung einzusetzen.
1579 Befehl, die Untertanen des ganzen Amtes Wassenberg zur Musterung zu fordern.
1587 Befehl, eine Anzahl der ausgehobenen Fußschützen zur Bewachung des Schlosses Wassenberg einzutreiben.
Es steht also fest, daß die Schützenbruderschaften gegen Ende des Mittelalters militärisch a. D. gestellt wurden. Der Herzog Johann I. scheint ihnen nicht hold gewesen zu sein.
1533 hatte er mit Kurköln einen Vertrag über die Sicherung der Straßen und die Handhabung der Polizei geschlossen. Darin kommen beide Teile überein, in ihren Landen keine neuen Schützereien mehr und die bestehenden nur unter Aufsicht zu dulden. Die Maßnahme wird damit begründet, daß unordentliche Versammlungen besonders durch die Schützereien veranstaltet würden. Zu ihnen käme der gemeine Mann mit seinem Gewehr, beim Trunke entständen dann mutwillige Handlungen gegen die Obrigkeit, und man unterstände sich sogar, gegen die Obrigkeit zu verbinden.
Dieser Erlaß, in den wirren Zeiten der Religionsspaltung entstanden, fiel bald in Vergessenheit. Die Schützenbruderschaften kamen auch bei den Landesherren wieder zu hohem Ansehen. Besonders hatte man erkannt, daß sie eine Art Rekrutenausbildung für die Landesschützen und somit eine nützliche Einrichtung waren."

Sichten wir weitere Quellen zu diesem Thema:
Rheinisches Archiv, Ursprung und Wesen der spätmittelalterlichen Schützengilden, von Theo Reintges (Seite 285):

Dieser numerisch begrenzte Personenkreis bildete die Kernmannschaft dieser Schützengesellschaften. Er war so sehr zum festen Begriff geworden, daß man nur von den „Trentaine" (den Dreißigern), den „Cinquantaine" (den Fünfzigern usw.) sprach. Auf diesen lastete in erster Linie der gesamte Pflichtenkomplex, namentlich der militärische, den die Statuten auf­erlegten. Sie waren es. die sich bereit halten mußten und herangezogen wurden. wenn der Magistrat oder der Landesherr eine Dienstleistung forderte, oder ein Kontingent für eine militärische Expedition zusammengestellt werden mußte. Die pflichtgemäße Erfüllung dieser Dienstobliegenheiten mußten sie mit der Treue zur Obrigkeit und zur Statuteneinhaltung eidlich bekräftigen. Daher wurden diese Gesellschaften im französischen Sprachgebiet ganz allgemein als „Serment", Schwurgenossenschaft, und flämisch als „Eedt" bezeichnet. Obwohl ihre Mitglieder dadurch geschworene Schützen wurden sind sie nicht mit jenen zu verwechseln, die im Dienst einer Stadt als Angestellte standen. Trotz ihrer engen Bindung an Obrigkeit und Pflicht kam kein Dienstverhältnis dauernder beruflicher Abhängigkeit zustande. Ihr Berufs- und Zivilstand blieb auch als Schützen unverändert. Ihr Dienst wurde nach Bedarf von Fall zu Fall in Anspruch genommen, und gerade in dieser fallweisen Inanspruchnahme und beruflichen Unabhängigkeit von der Behörde unterschieden sie sich von den Stadtknechten. Wohl wurden sie besoldet, wenn sie Dienst leisten mußten, um sie so für ihren Verdienstausfall zu entschädigen, nicht jedoch, wenn sie als Bürger einer allgemeinen Bürgerpflicht nachkamen. Vorzugsweise waren sie Nutznießer all der Vergünstigungen und Zuwendungen, deren sich die Gesellschaften erfreuten, und die die Übernahme der manchmal vielleicht unbequemen Verpflichtungen verlockend machten. Daher wurden sie öfters auch privilegierte Schützen genannt. (Seite 306)

Da das mittelalterliche Denken keine Trennung zwischen rein profanen und rein kirchlichen Bereichen kannte, waren die Schützengesellschaften wie alle anderen Vereinigungen auch immer kirchliche Bruderschaften. Erst in der nachreformatorischen Zeit begegnen wir Vereinen, die keine Bindung an die Kirche mehr erkennen lassen.
(Zu Ratheim waren einige reformiert, jedoch das Gros der Bevölkerung blieb katholisch.)

Somit dürften die Untersuchungen den Nachweis erbracht haben, daß die spätmittelalterlichen Schützengesellschaften freiwillige Vereinigungen der Bürgerschaft waren, die sich unter behördlicher Anerkennung und Förderung Schießübungen widmeten, um damit der Wehrertüchtigung zu dienen. Sie waren aber weder das Militärkorps für die Stadtverteidigung, noch eine Truppenformation der Bürgermiliz. Im Kriegsfall kämpften sie in den Reihen ihrer Mitbürger, und wenn man Schützenkontingente für die Heeresfolge anforderte, wurden sie bevorzugt herangezogen.

Kehren wir an dieser Stelle noch einmal zu unserem Versatzzettel aus dem Jahre 1578, als die Schützen aus Ratheim erstmalig erwähnt werden, zurück.

St.-Sebastianus-Bruderschaften waren zunächst Bruderschaften, die sich um Pflege der Kranken und um die Beerdigung der Pesttoten kümmerten. Sie wurden dann in kriegerischen Zeiten zu Bürgerwehren oder Schützenbruderschaften umfunktioniert. Die Waldfeuchter Sebastianer besitzen hierüber eine Satzung aus dem Jahre 1433, die aber sicher eine Überarbeitung von noch älteren Statuten ist.
Daß die Unterzeichneten des Versatzzettels zu jener Zeit gelebt haben und somit die Geschichtsquelle, auch wenn es nur eine Abschrift ist, der Wahrheit entspricht, ist durch hiesige Geschichtsquellen und viele Veröffentlichungen zu beweisen.
Wir sind der Meinung, daß es sich bei den 1578 urkundlich erwähnten Schützen um die Ratheimer St.-Sebastianus-Bruderschaft handelt.

In den Statuten vom 20. Mai 1749, welche noch in einer Abschrift erhalten und vom damaligen Vogt Packenius und Freiherrn von Hövel unterzeichnet waren, ist „von der in uralten Zeiten im hiesigen kirspell Ratheim gewesene Schützenbruderschaft" die Rede. Hier sind wir der Meinung, daß 1749 Menschen gelebt haben, die auf Überlieferung und Tradition streng achteten, den Begriff „in uralten Zeiten"
(1578 bis 1749 = 171 Jahre) wohl zu bewerten wußten und ein jüngeres Datum nicht mit uralt bezeichnet hätten. Hinzu kommt noch, daß der Landeskonservator, Dr. Carl Wilhelm Clasen, uns freundlicherweise das älteste Königssilber mittels Photogrammetrie untersuchte und feststellte, daß alle drei Platten im dritten Viertel des 17. Jahrhunderts (also zwischen 1650 und 1675) entstanden sein müssen.

entnommen aus der Festschrift der Ratheimer Sebastianus-Bruderschaft anlässlich des 400jährigen Bestehens 1978